Epilog
Epilog
Die Rückkehr zur Erde
Aus abgrundtiefer Trance erwachte ihr Geist.
An ruhiger nichtbewusster Brust der Erdmutter liegend,
Sah sie die grüngekleideten Äste über sich geneigt,
Schützend ihren Schlaf mit ihrem verzauberten Leben,
Und über ihrem Haupte flatterte eine blauflügelige Ekstase
Mit hochgestimmtem Ruf von Zweig zu Zweig.
In die magische Heimlichkeit der Wälder,
Durch ein smaragdfarbenes Gitterfenster aus Blättern spähend,
Ließ der matte Tag, an träge Himmel gelehnt,
Sich langsam in den Abendfrieden sinken.
Sie drückte den lebendigen Körper Satyavans:
Auf ihres Körpers wortloser Freude zu sein und zu atmen,
Trug sie die selige Last seines Hauptes
An ihrer Brüste warmen Wonnebeschwer,
Die erwachende Freude ihrer Glieder fühlte
In seinen Gliedern das Gewicht des Himmels, ein Druck,
Der das ganze Glück der Dinge zusammenfasste,
Und ihr ganzes Leben war sich seines Lebens bewusst
Und ihr ganzes Wesen frohlockte, das seine zu umfassen.
Die unermessliche Ferne ihrer Trance war vorbei;
Sie war wieder menschlich, der Erde Savitri,
Doch spürte sie grenzenlose Wandlung in sich.
Eine Macht wohnte in ihrer Seele, zu groß für die Erde,
Eine Seligkeit lebte in ihrem Herzen, zu weit für den Himmel;
Licht, zu intensiv für Denken, und Liebe, zu grenzenlos
Für die Gefühle der Erde, erhellten ihr Firmament des Mentals
Und breiteten sich in ihrem tiefen und glücklichen Meer der Seele aus.
All das, was heilig ist in der Welt, nahte sich
Ihrer Stimmung göttlicher Gelassenheit.
Eine wunderbare Stimme der Stille hauchte ihre Gedanken aus.
Alles in Zeit und Raum hatte sie sich zu eigen gemacht;
In ihr bewegte es sich, durch sie lebte und existierte es,
An ihr hing um Seligkeit die ganze weite Welt,
Für die süße Umarmung ihrer Liebe gemacht.
Jetzt in ihrem raumlosen Selbst befreit von Fesseln,
Schienen zahllose Jahre langgezogene Augenblicke,
Die glitzernden Zeitflocken der Ewigkeit.
Aufschwünge eines Vogels von seinem lichten Horst,
Waren ihre irdischen Morgen strahlende Flüge der Freude.
Schrankenlos war sie, eine Form der Unendlichkeit.
Vom Schlag der Momente nicht vereinnahmt mehr,
Fühlte ihr Geist die Zukunft, die nie aufhört,
Und lebte mit der ganzen Vergangenheit, die nie begann.
Ihr Leben war einer Morgendämmerung siegreicher Anbruch,
Die einstigen und ungeborenen Tage hatten ihre Träume vereint,
Alte verblichene Abende und fern anbrechende Mittage
Deuteten ihr eine Vision hellsichtiger Stunden an.
Untätig lag sie in sinnender Seligkeit eine Weile,
Gegeben an das Wunder einer wachen Trance;
Halb aufgerichtet dann, sah sie umher
Wie um vertrautes süß Alltägliches wiederzufinden,
Vertraute glückliche Gedanken, kleine geschätzte Erinnerungen,
Und sie zu einem unsterblichen Tag verweben.
Noch immer hielt sie am Paradies ihrer Brust
Den Liebsten, gebannt in einen unergründlichen Schlaf,
Wie ein kindlicher Geist ahnungslos
Eingelullt am Rande zweier zustimmender Welten.
Bald aber beugte sie sich über ihren Liebsten, zurückrufend zu ihr
Seinen mentalen Geist mit ihrer streichenden Berührung
Über seine geschlossenen Augen; fest war ihr stiller Blick
Von starkem Entzücken, nicht sehnend nun, sondern weit
Von grenzenloser Freude oder hoher letzter Genüge,
Rein, inbrünstig mit der Leidenschaft der Götter.
Begierde rührte ihre Flügel nicht; denn nun ward alles
Zu einer Überwölbung von Himmelsstrahlen gemacht
Wie Himmelsgewölbe, das die Ebene in Obhut hält,
Wie Himmel, der die Erde umfangend sich niederbeugt,
Eine stille Verzückung, eine weite Sicherheit.
Seufzend unter ihrer Berührung hob sich der sanftbeschwingte Schlaf
Schwebend von seinen blumengleichen Lidern und flog
Flüsternd hinweg. Erwacht, fand er ihre Augen
Auf die seinigen wartend, fühlte ihre Hände und sah
Die Erde, seine Heimat, ihm noch einmal zurückgegeben,
Und sie, seiner Leidenschaft alles, ihm neu gewährt.
Sie umarmend hielt er sie innig umschlossen,
Ein lebendiger Knoten, um nah zu halten was sein,
Und murmelte mit zögerlichen Lippen ihren Namen
Und rief, sich vage an Wunder erinnernd, aus:
„Von woher bringst du mich in Liebesbanden gefangen zurück
Zu dir und den Wänden des Sonnenlichtes, O goldner Strahl
Und Schatzkästchen aller Lieblichkeit, Savitri,
Gottheit und Frau, Mondlicht meiner Seele?
Denn gewiss bin ich in seltsamen Welten gereist,
Von dir begleitet, einem verfolgenden Geist,
Gemeinsam verschmähten wir die Tore der Nacht.
Ich habe mich vom Glück der Seligen abgewandt
Und des Himmels, ungenügend ohne dich.
Wohin entwich nun diese furchtbare Gestalt,
Die gegen uns sich stellte, der Geist der Leere,
Fordernd die Welt für Tod und Nichtsein,
Verneinend Gott und Seele? Oder war alles nur ein Traum
Oder eine Vision, geschaut in einem spirituellen Schlaf,
Ein Symbol für die Gegensätze der Zeit
Oder ein mentalerhellter Leuchtturm voll Bedeutung
Der in einer Bedrängnis von Dunkelheit den Weg erhellt
Oder einen Schwimmer durch die Meerengen des Todes führt
Oder mit dem Beistand seines Strahls
In einer Rinne inmitten der überfüllten Straßen des Zufalls
Die Seele finden lässt, die in das Weltabenteuer kam,
Eine Kundschafterin und Reisende aus der Ewigkeit ?“
Doch sie gab zur Antwort: „Unsere Trennung war der Traum;
Wir sind beisammen, wir leben, O Satyavan.
Schau dich um und sieh, froh und unverändert
Unser Heim, diesen Wald mit all seinen tausend Rufen
Und dem Flüstern des Windes zwischen den Blättern
Und, durch Spalten im smaragdgrünen Gefilde, den Abendhimmel,
Gottes blauer Baldachin, der unser Leben beschützt,
Und all die Vögel, die aus Herzenslust singen,
Beschwingte Dichter unseres einsamen Reiches,
Unsere Freunde auf Erden, wo wir König und Königin sind.
Nur unsere Seelen ließen des Todes Nacht zurück,
Gewandelt durch eines mächtigen Traumes Wirklichkeit,
Erleuchtet durch das Licht von Symbolwelten
Und das gewaltige Gipfelselbst der Dinge,
Und standen an der Gottheit Pforten, grenzenlos und frei.“
Dann, erfüllt von der Glorie ihres Glücks,
Erhoben sie sich, und mit fest verschlungenen Fingern
Hingen sie aneinander in einem schweigenden Blick.
Er aber mit einem neuen Staunen in seinem Herzen
Und einer neuen Flamme der Verehrung in seinen Augen:
„Welch hohe Wandlung ist in dir, O Savitri? Strahlend
Warst du immer, eine Göttin, still und rein,
Doch lieber mir durch deine süßen menschlichen Teile,
Mit denen dich die Erde noch göttlicher macht.
Meine Anbetung gemeistert, beugte mein Begehren sich
Dieser zu unterwerfen, ergriff meinen Wagemut,
Fordernd mit Leib und Seele meines Lebens Gut,
Der Verzückung Besitz, der Liebe süßes Eigentum,
Eine Statue des Schweigens im Tempel meines Geistes,
Eine sehnende Gottheit und eine goldne Braut.
Doch nun scheinst du beinah zu hoch und groß
Für sterbliche Verehrung zu sein; die Zeit liegt dir zu Füßen
Und die ganze Welt scheint nur ein Teil von dir zu sein,
Deine Gegenwart der schweigende Himmel, darin ich wohne,
Und mit dem Blick der Sterne schaust du auf mich,
Und bist doch die irdische Hüterin meiner Seele,
Mein Leben ein Flüstern deiner träumenden Gedanken,
Meine Morgen ein Schimmern der Schwingen deines Geistes
Und Tag und Nacht sind Teil von deiner Schönheit.
Hast du nicht mein Herz genommen, um sicher es
In der Geborgenheit deiner Brust zu verwahren?
Erwacht aus dem Schweigen und dem Schlaf,
Habe deinetwegen ich eingewilligt zu sein.
Meinen sterblichen Lebensbogen vergrößerte ich durch dich,
Doch bringst du mir nun ferne Himmel, unverzeichnete Weiten
Als dein unendlich Geschenk!
Erhebst du deinen heiligen Flug, um jene zu füllen,
Wird immer noch meine menschliche Erde deine Seligkeit verlangen.
Mache mein Leben durch dich zu einem Lied der Freude
Und all mein Schweigen weit und tief mit dir.“
Eine himmlische Königin, gewährend seinen Willen,
Sie ergriff seine Füße, von ihrem Haar
In einem samtenen Mantel der Liebe eingehüllt,
Und antwortete leise wie eine murmelnde Laute:
„Verändert ist nun alles und doch dasselbe noch.
Sieh, wir haben das Antlitz Gottes erblickt,
Unser Leben hat sich in Göttlichkeit aufgetan.
Wir haben Wesenseinheit mit dem Höchsten ertragen
Und seinen Sinn in unserem sterblichen Leben erkannt.
Durch diese mächtige Berührung wuchs unsere Liebe
Und ward ihrer himmlischen Bedeutung gewahr,
Doch nichts ging verloren von der Wonne sterblicher Liebe.
Des Himmels Berührung erfüllt und hebt unsere Erde nicht auf:
Unsere Körper bedürfen einander gleichermaßen;
Noch wiederholt in unserer Brust den himmlisch geheimen Rhythmus
Unsere menschlichen Herzschläge leidenschaftlich nah.
Noch bin ich jene, die zu dir kam im Rauschen
Sonnenbeschienener Blätter am Rande dieses Waldes;
Ich bin jene aus Madra, ich bin Savitri.
Alles, was ich vorher war, das bin ich dir noch alles,
Enge Gefährtin deiner Gedanken und Hoffnungen und Mühen,
Alle glücklichen Gegensätze möchte ich für dich vereinen.
Alle süßen Beziehungen vermählen sich in unserem Leben;
Ich bin dein Königreich, so wie du meines bist,
Die Gebieterin und die Magd deines Verlangens,
Deine ergebene Herrin, Schwester deiner Seele
Und Mutter deiner Wünsche; du bist meine Welt,
Die Erde, die ich brauche, der Himmel, den meine Gedanken begehren,
Die Welt, die ich bewohne, und der Gott, den ich verehre.
Dessen Glieder ein jedes Körperteil von mir erwidernd begehrt,
Nach dessen Glieder meine Antwort gebenden Glieder verlangen,
Dessen Herz der Schlüssel zu all meinen Herzschlägen ist, – dies
Bin ich für dich und du für mich, O Satyavan.
Unser vereinter Gang durchs Leben beginnt erneut,
Verloren ist keine Fröhlichkeit, keine Tiefe sterblicher Freude.
Lass uns durch diese neue Welt gehen, die noch dieselbe ist,
Denn sie ist uns wiedergegeben, aber erkannt
Als Spielplatz und als Wohnstatt Gottes,
Der sich verbirgt in Vogel und Tier und Mensch,
Um sich durch Liebe neu zu finden,
Durch Einheit süß. Seine Gegenwart lenkt die Rhythmen des Lebens,
Die gemeinsam Freude suchen, dem Schmerz zum Trotz.
Wir haben einander gefunden, O Satyavan,
In dem großen Lichte der entdeckten Seelen.
Lass uns heimkehren, denn der Abend steht am Himmel.
Kummer ist nun tot und heitere Glückseligkeit bleibt
Auf immerfort das Herz all unserer Tage.
Sieh all die Wesen in dieser wundervollen Welt!
Lass uns allen Freude schenken, denn Freude ist unser.
Denn nicht für uns allein kam unser Geist
Aus dem Schleier des Ungeoffenbarten,
Aus dem tiefen immensen Unkennbaren
Auf die unwissende Brust einer zweifelhaften Erde,
In die Wege mühender, suchender Menschen,
Zwei Feuer, die der Ur-Sonne entgegenlodern,
Zwei Strahlen, die dem ursprünglichen Lichte entgegenziehen.
Des Menschen Seele gen Wahrheit und Gott zu führen sind wir geboren,
Den kunterbunten Entwurf des sterblichen Lebens zu zeichnen
Ähnlich dem Plan des Unsterblichen,
Ihn dem Bilde Gottes näher zu gestalten,
Ein wenig mehr gemäß der göttlichen Idee.“
Sie legte ihre Arme um seine Brust und sein Haupt
Als wolle sie ihn für immer an ihrem Busen halten
Auf der Reise durch die Jahre hin.
So standen sie für eine Weile eng umschlungen, ihr Kuss
Und ihre Umarmung, leidenschaftentrückt, ein Treffpunkt
Ihrer sich vermischenden Geister, auf ewig geeint,
Zweiseelig, zweileibig für die Freuden der Zeit.
Dann verließen sie Hand in Hand diesen feierlichen Ort,
Nun voll von stummen ungewöhnlichen Erinnerungen,
Und kehrten zur grünen Ferne ihres waldigen Heimes
Langsam durch das Herz des Waldes zurück.
Um sie wich der Nachmittag dem Abend;
Das Licht sank nieder zum schimmernd schlafenden Saum
Und die Vögel flogen zu ihren Nestern heim
Und Tag und Nacht schmiegten sich aneinander.
Nun standen die dämmrig schattigen Bäume dicht umher
Wie träumende Geister und, verzögernd die Nacht,
Der grauäugig nachdenkliche Abend hörte ihre Schritte,
Und von allen Seiten nahten die Schreie und Bewegungen
Der vierbeinigen Wanderer der Nacht.
Dann erhob sich von Menschen ein Lärm,
Lange fremd ihren einsamen Tagen,
Der in die verzauberte Wildnis der Blätter drang,
Die heiliger Abgeschiedenheit sonst geweiht,
Gewaltsam störend ihren jungfräulichen Schlaf.
Durch den Schirm der Dämmerung schwoll er an und es nahte
Eine Flut von vielen Stimmen und der Schall
Von vielen Füßen, bis in die Sicht einbrach
Wie eine bunte Woge vor ihren Augen
Der Glanz betriebsam wimmelnder Menschentage.
Unter einem flackernden Lichtermeer
Tauchte eine große prächtige Gesellschaft auf.
Leben in seinem geordneten Tumult kam schwankend daher
Und brachte seinen Strom von unbekannten Gesichtern, überhäuft
Mit goldgesäumtem Kopfschmuck, goldbestickten Gewändern,
Glitzernden Ornamenten, wehenden Säumen,
Hunderte von Händen teilten das Waldgeäst,
Hunderte von Augen suchten die verschlungenen Lichtungen ab.
Ruhige weißgekleidete Priester brachten ihre ernstäugige Sanftheit,
Starke Krieger erstrahlten in ihren prächtigen Rüstungen,
Die stolzbehuften Rösser kamen stampfend durch den Wald.
Voran ging König Dyumatsena, nicht mehr
Blind, mit zögernden Gliedern, sondern seine fernhin suchenden Augen,
Die ihr ganzes Vertrauen in das Licht wiedergefunden haben,
Nahmen sehend diese äußere Bilderwelt auf;
Fest betrat er mit königlichem Schritt den Boden.
Bei ihm war das besorgte Gesicht der Königin und Mutter,
Befreit nun von gewohnt bedrücktem Ausdruck,
Der mit schwindender Kraft ermatteten Mühens
Bisher das gefallene Leben ihrer Lieben trug.
Ihre geduldige Blässe barg ein nachdenkliches Glühen
Wie der Abenddämmerung gedämpfter Blick von gesammeltem Licht,
Der scheidend voraussieht den Sonnenaufgang, ihr Kind.
Versinkend in stiller Pracht ihres Himmelsgewölbe,
Lebt sie für eine Weile in jene Hoffnung vertieft,
Ihr untergehender reicher Abschiedsglanz
Eine besinnliche Prophezeiung lyrischer Morgendämmerung.
Es waren ihre Augen, die zuerst ihrer Kinder Gestalten sahen.
Doch beim Anblick des schönen Paares
Erwachte die Luft, verwirrt von anschwellenden Rufen,
Und rasch eilten die Eltern zu ihrem Kinde, –
Ihrem jetzigen Lebensquell, dem sie Atem verliehen, –
Und zogen ihn in ihre Arme. Dann zärtlich
Tadelnd rief Dyumatsena Satyavan zu:
„Die gnädigen Götter blickten heute auf mich,
Ein Königreich suchte mich heim und des Himmels Strahlen.
Doch wo warst du? Den Frohmut hast du gequält
Mit der Angst glanzlosem Schatten, O mein Kind, mein Leben.
Welche Gefahr hielt dich in den verdunkelnden Wäldern?
Oder wie konnte Lust auf ihren Wegen vergessen,
Dass ohne dich meine Augen nutzlos sind,
Die nur um deinetwillen sich am Lichte erfreuen?
Dies war sonst nicht deine Art, Savitri,
Deinen Gatten in unsere Arme nicht zurückzubringen,
Wissend, dass nur mit ihm an meiner Seite Speise mir schmeckt
Und nur Dank seiner Berührung morgens und abends
Ich zufrieden mit meinen restlichen Tagen lebe.“
Aber Satyavan erwiderte mit lächelnden Lippen:
„Lade alles auf sie; sie ist der Grund von allem.
Mit ihrem Zauber hat sie mich umgarnt.
Denn seht, als ich dies Lehmhaus mittags verließ,
Da wanderte ich in weit entfernten Ewigkeiten,
Doch immer noch, ihrer goldnen Hände Gefangener,
Schreite ich über euren kleinen Hügel, grüne Erde genannt,
Und lebe in den Augenblicken eurer vergänglichen Sonne
Froh inmitten der emsigen Werke der Menschen.“
Da wandten sich aller Augen mit wunderndem Blicke dorthin, wo stand
Mit einem sich tiefer rötendem Gold auf ihren Wangen
Und gesenkten Lidern das edle liebliche Kind,
Und ein einziger zustimmender Gedanke regte sich in jeder Brust.
„Welch leuchtend Wunder der Erde oder der Himmel
Steht da schweigend beim menschlichen Satyavan
Und hebt von der Abenddämmerung als Glanz sich ab?
Wenn sie es ist, von der die Welt gehört hat,
So staunt über keinen glücklichen Wandel mehr.
Jedes noch so kleine Wunder der Seligkeit
Ist ihres verwandelnden Herzens Alchemie.“
Dann fragte einer, scheinbar ein Priester oder Weiser:
„O Frauen-Seele, welch Licht, welch enthüllte Macht,
Bewirkend die raschen Wunder dieses Tages,
Eröffnet uns durch dich ein glücklicheres Zeitalter?“
Ihre aufschlagenden Wimpern sammelten
In eine Schau, die Unsterbliches ausgelotet hatte,
Frohlockend menschliche Gestalten zu ihrem Entzücken ein.
Sie heischten für ihre tiefe kindliche Mutterschaft
Das Leben all dieser Seelen als ihr Leben,
Dann sich senkend verhüllten sie das Licht. Leise sprach sie:
„Zum Sinn meines Herzens bin ich erwacht,
Dass Liebe und Einheit fühlen Leben heißt,
Und dies ist der Zauber unserer goldnen Wandlung,
Ist die ganze Wahrheit, die ich weiß oder suche, O Weiser.“
Staunend über sie und ihre überaus leuchtenden Worte
Wandten sie sich gen Westen in die rasch hereinbrechende Nacht.
Von den verschlungenen Säumen befreit, gelangten sie
In ein Halbdunkel der schlafenden Erde
Und zogen über ihre matten und schlummernden Ebenen dahin.
Gemurmel und Bewegung und der Schritt der Menschen
Brachen in die Einsamkeit der Nacht; das Wiehern von Pferden
Erhob sich aus diesem wirren und vielstimmigen Meer
Des Lebens und an seinen Wegen entlang schwoll
Der Reim der Hufen an, der Wagen Heimreisegesang.
Gezogen von weißen Mähnen auf einem hochbedachten Wagen,
Fuhren im Lichtschein der flackernden Fackeln
Satyavan und Savitri Hand in Hand dahin,
Ein Festlied hörend und einen Hochzeitsmarsch,
Wo vielstimmig ihrer harrte die menschliche Welt.
Zahllos schwammen die Sterne auf ihrem schattigen Feld,
Beschreibend in der Finsternis die Wege des Lichtes.
Und während sie noch streiften des Südens Rand,
Erglänzte Nacht, versunken im Glorienschein ihrer sinnenden Stirn,
Mondverträumt am Himmel in silbernem Frieden
Und besaß ihr leuchtendes Reich.
Still brütete über einen Gedanken sie,
Tief verwahrt in ihren mystischen Lichtfalten,
Und hegte in ihrer Brust eine größere Morgendämmerung.
Ende